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Vortragsankündigungen von Professor Ulrich Sachsse 2018





16. Bonner Psychotherapie-Symposium vom 28. – 29. September 2018, Bonn DFT Symposium 2018 - „Die Täter-Opfer-Wippe“ - oder: Was uns die Gewalt in unserer Gesellschaft eigentlich sagen will


Frei., 28.09.2018, 9.15-10.00 Uhr
Rache – Destruktive Wiedergutmachung.

Während die Psychoanalyse im Speziellen und die Psychotherapie im Allgemeinen phasenweise engagiert für eine „Befreiung“ der Sexualität gekämpft hat, hat sie nie für eine „Befreiung“ von Gewalt und Aggression gekämpft. Es war stets klar, dass Aggression sozialisiert werden muss. Gleichzeitig war klar, dass es ganz ohne Aggression nicht geht in einer Gesellschaft. Es gab Ordnungs-Versuche, etwa von Erich Fromm, in die „gute“ Aggression und die „schlechte“ Destruktivität. Es gab Tendenzen, gewisse Formen der Aggression eher seufzend als leider unabdingbar anzuerkennen, andererseits Aggression bei der Behandlung der Depression aber therapeutisch durchaus zu fördern. Hilfreich ist ein Blick in die Tierforschung, auf die biologischen Grundformen der Aggression: Was ist unser tierisches Erbe? Aggression zur Selbstverteidigung, Aggression um Nahrungsressourcen, Aggression zur sexuellen Arterhaltung und persönlichen Fortpflanzung, territoriale Aggression, maternale Aggression (Panksepp). Wichtig sind auch Gedanken zur Aggression im gesellschaftlichen Raum. Blutrache war und ist die herrschende Justiz, sofern es keine Gesetze gibt und keine Gesellschaft, die die Macht hat und ausübt, ihre Gesetze durchzusetzen. Die herrschenden Gesetze sind nun aber auch immer die Gesetze der Herrschenden. Gegen diese könnte eine „gute“ revolutionäre Gewalt nun wieder gut zu heißen sein. – Was ist mein Anliegen? Ich warne vor einem Gut-Böse-Schema im Umgang mit Gewalt. Ich will vermitteln, dass es in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Gewalt keine Möglichkeit gibt, „saubere Hände“ zu behalten, und dass eine Gewalt - freie Existenz des Menschen nicht einmal eine konkrete Utopie sein kann.

Veranstalter und Anmeldung:
»  Köln - Bonner Akademien für Psychotherapie und Verhaltenstherapie KBAP und KBAV
BKBAP, Wenzelgasse 35, 53111 Bonn, Tel.: 9.00–17.00 Uhr, 0228–96 38 134,Fax: 0228–96 50 221
www.kbap.de,mail:info@kbap.de, Betreff: „16. Bonner Symposium 2018“



47. Lübecker Psychotherapietage: "Das sogenannte Gute", Lübeck
So., 30.09.2018 - Do., 04.10.18

Mi., 03.10., 10.00 Uhr
Vom Schlechten des Guten in der Therapie Traumatisierter

21 Schon Jerome Frank hat in seinem Buch „Die Heiler“ hervorgehoben, dass wir Therapeutinnen und Therapeuten (Ther) in unseren Behandlungen an Entstehungs- und WirksamkeitsMythen glauben, die uns Identität und Sicherheit geben. Dabei unterliegen wir leicht primitiven Idealisierungsprozessen, gerade unsere Therapie sei „nur Gut“ und „Gut für Alle und Alles“. In meiner inzwischen 40jährigen beruflichen Entwicklung habe ich mehrfach erfahren, dass Methoden und Techniken, die bisher als „nur Gut“ galten, plötzlich fragwürdig, manchmal sogar als Schlecht da standen. Dies geschah nicht selten eher in Brüchen als in kontinuierlichen Entwicklungen, diese Brüche waren oft persönlich schmerzlich, und die Auseinandersetzungen darüber waren oft polemisch, polarisierend und verletzend. Der Vorwurf lautete stets: Sie schaden Ihren Patienten! Das gilt für die Überzeugung, Entwicklung in der Therapie erfolge am besten durch eine Regression in der therapeutischen Beziehungselbst mit der Möglichkeit eines state dependent learning im regressiven state und einer „Nachreifung“. Als Ther war ich die bessere Mutter und ermöglichte eine Zweit-Kindheit. Dieses nur Gute wurde problematisch durch die Auseinandersetzung mit der Posttraumatischen Belastungsstörung. Arbeit in und an der Übertragung konnte „retrauma- tisieren“ und war plötzlich nur Schlecht. Nur Gut wurde hier eine Arbeit im Dritten Raum, etwa mit Imaginationen, nicht strategisch in und mit der Übertragungs-Gegenübertragungs-Beziehung. Nur Gut war die Abfolge Stabilisierung – Traumaexposition – Nach- reifung. Als Ther mit neuen Kompetenzen in der Trauma-Exposition war ich ein Stress- Reduktions-Techniker, ein Desensibilisator. Das nur Gute der Trauma-Exposition wurde bald problematisiert, weil eine intrusive Überflutung während einer Trauma-Exposition auch „retraumatisierte“. Also war lange Stabilisierung nur Gut. Das traf sich mit der generellen damaligen Theorie-Entwicklung, Stärkung der Ressourcen und der Resilienz als nur Gut ein zustufen. Ich wurde zum Psychoedukator, zum Psycho-Pädagogen. Es war auch viel erbaulicher, als Ther nur nett, bestätigend, fördernd und Gut zur Wirkung kommen zu können, ohne lange Therapie-Phasen mit negativer Übertragung, konfrontativer Arbeit an Problemen in der therapeutischen Beziehung selbst und persönlicher In-Frage-Stellung. Bis postuliert wurde, es handele sich hier um ein professionelles Vermeidungsverhalten ängst licher Ther, die ihre Pat chronifizieren und abhängig machen, indem sie sie kontinuierlich von außen stützen und stabilisieren, ohne ihre Intrusionen zu desensibilisieren, und ohne dass sich eine Änderung durch Ablösung und Transfer erreichen lässt. Bei der Auseinandersetzung mit Ressourcenförderung und Stabilisierung wurde auch das nur Gute der Nach- reifung in der Psychotherapie, die als selbstverständlicher, natürlicher Prozess verstanden wurde, plötzlich fragwürdig. Gerade in der Therapie von Pat mit komplexen Trauma-Folge störungen wurde deutlich, dass eine größere Gruppe von Patienten sich durch eine gute therapeutische Beziehung stabilisiert, strukturell deutlich besser funktionsfähig ist, sich aber nicht entwickelt und ablöst. Dies gilt insbesondere für Patienten mit chronifizierter Typ-D-Bindungsstörung, die eine Nachreifung dringend benötigen würden. – Könnte auch für die Psychotherapie gelten, was in der Pharmakotherapie pointiert vertreten wird: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung? Nur was potentiell schaden kann, kann auch potentiell helfe

Veranstalter:
» Norddeutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychotherapie und Psychosomatik, Lübeck und Travemünde Marketing GmbH, Holstentorplatz 1, 23552 Lübeck
E-Mail: kongress@luebeck-tourismus.de, Tel.: 0451-4091921

Tagungsort:
Oberschule zum Dom, Domkirchhof 1-3, 23552 Lübeck


 

Anschriften des Referenten

Prof. Dr. med. Ulrich Sachsse
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie
Psychoanalyse - Spezielle Psychotraumatherapie (DeGPT)


Praxis
Ulmenstr. 11 A
D-37124 Rosdorf
Tel. xx49-(0)-551-782310
Fax: xx49-(0)-551-7899880
Email: ulrich.sachsse@t-online.de


Asklepios Fachklinikum Göttingen
Rosdorfer Weg 70
D-37081 Göttingen
Tel. xx49-(0)-551-402-1010
Fax: xx49-(0)-551-402-2092
Email: u.sachsse@asklepios.com


Herr Sachsse ist nicht als Gutachter in juristischen Auseinandersetzungen und nicht als ambulanter Psychotherapeut tätig.

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